DAB, die Digitalfunksackgasse

equalizerRadioszene.de, der Branchendienst meines Vertrauens, hat am Samstag abend folgendes getwittert: „Deutschlandradio stellt seine DAB-Verbreitung zum Jahresende bundesweit ein. Der Vertrag mit Media Broadcast ist schon gekündigt.“

Tja, damit dürfte auch der letzte DAB-Optimist einsehen: das wars! Von 1987 – 2000 floss viel Geld in die Entwicklung des Digitalfunkstandards, der sich nunmehr als Sackgasse erweist.

Die Entscheidung des Deutschlandradio stellt das Ende eines unguten Sommers für den digitalen Hörfunk dar: das SWR-Pilotprojekt „Radio der Zukunft“ ist ausgelaufen und am 15. Juli hat auch die KEF (Kommision zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten) festgestellt, dass die geplanten DAB-Projekte keine Sinn mehr machen und deshalb die Gelder gestoppt.

Quo vadis, Digitalfunk? Wer diese Frage aus dem Stand beantwortet, kann sicher reich werden. Bei DAB gab es immer ein Henne-Ei-Problem: Die Sender wollten kein DAB-Programm machen, ohne das die Hörer DAB-Empfänger haben und die Industrie wollte keine Empfänger bauen, ohne dass es Programm gibt.

Es gibt mehr als eine Alternative, Radio digital zu verbreiten: über die Standards für Digitalvideo z.B., die durchaus in der Lage wären, Audio mitzutransportieren, nahezu flächendeckend verfügbar sind und zudem über Endgeräte verfügen. Analoges Fernsehen wurde zugunsten der DVB-Standards inzwischen abgeschafft, die freiwerdenen Frequenzen sind als „digitale Dividene“ ein heiß umkämpftes Gut für neue Anwendungen.

Auch über dem UKW-Frequenzband, dass Radio z.Zt. nutzt, kreisen schon Interessenten wie Geier über Aas – doch sie werden wohl vorerst verhungern. 2015 dem analogen Radio den Saft abzudrehen scheint aus heutiger Sicht eine absolute Utopie.

Einen Vorteil hat die aktuelle Situation aber: in einem Jahr wird noch keine Entscheidung gefallen sein. Wenn ich also am 01.09.2010 mit meiner Bachelor-Thesis beginne, wird Digitalradio noch ein heißes Thema sein, dem ich mich dann vielleicht widmen kann 😉

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