Juhu! Ich habe ein Zertifikat!

Im Wintersemster 2009/2010 wurde ich – zusammen mit zwei Kommilitonen aus dem Bachelor und vier Master-Studenten – für ein zusätzliches Qualifikationsprogramm an der HFU akquiriert. Ich berichtete damals hier im Blog kurz davon. Und ich versprach, regelmäßig darüber zu berichten… ok, das habe ich nicht getan 🙂

Nicht nur deshalb ist es allerhöchste Zeit für ein Update. Denn ich habe das Programm inzwischen erfolgreich abgeschlossen, auf der 23. Medianight der Hochschule Furtwangen wurde den ersten „Breitband-Absolventen“ ein Zertifikat überreicht. Jetzt habe ich ein Zertifikat, ick freu mir.

Das Programm war eine gute Sache durchwachsen, was vielleicht auch daran lag, dass wir der erste Durchgang waren. Für mich persönlich war die Möglichkeit, den Masterkurs „Methods of Communication & Media Delivery“ zu belegen der größte Mehrwert. Was ich dort über Broadcasting-Technologien und Nachrichtentechnik gelernt habe, bringt mich wirklich weiter. Auch die Einführung in die rechtliche Situation durch Prof. Dr. Kay-Uwe Martens war interessant.

Die Exkursionen, Fachreferate und Ausarbeitungen waren dagegen eher eine Zusatzbelastung mit geringem Ertrag. Unsere „Abschlussarbeit“ über Handlungsanweisungen für Kommunen wurde bis heute nicht von der Clearingstelle veröffentlicht. Und ich denke auch nicht, dass das noch geschehen wird. Schon bei der Präsentation war die Kritik deutlich zu spüren: Alles schön und gut, was sich die Studenten da ausgedacht haben – aber so läuft der Hase nicht. Tatsächlich reicht eine Vorlesung über Kommunalrecht nämlich nicht aus, um zu verstehen, wie die Verwaltung tickt.

Technisch habe ich es drauf, kann erklären, was man wie warum wo machen kann. Aber es geht und es kann gemacht werden sind eben zwei völlig unterschiedliche Dinge.

Von daher liegt das Zertifikat jetzt erstmal bei den anderen Unterlagen der HFU. Prof. Anders, der Stiftungsprofessor, hat nach der Verleihung in einer E-Mail betont, dass es eine Reihe von interessanten potentiellen Arbeitgebern für uns zertifizierte Spezialisten gibt. Na dann. Prinzipiell finde ich das ein sehr spannendes Feld, in dem ich mir eine Betätigung durchaus vorstellen kann. Aber im Moment muss ich sagen: Mein jetziger Arbeitgeber ist um Längen cooler. Sorry, liebe Gemeinden in den weißen Flecken.

DAB, die Digitalfunksackgasse

equalizerRadioszene.de, der Branchendienst meines Vertrauens, hat am Samstag abend folgendes getwittert: „Deutschlandradio stellt seine DAB-Verbreitung zum Jahresende bundesweit ein. Der Vertrag mit Media Broadcast ist schon gekündigt.“

Tja, damit dürfte auch der letzte DAB-Optimist einsehen: das wars! Von 1987 – 2000 floss viel Geld in die Entwicklung des Digitalfunkstandards, der sich nunmehr als Sackgasse erweist.

Die Entscheidung des Deutschlandradio stellt das Ende eines unguten Sommers für den digitalen Hörfunk dar: das SWR-Pilotprojekt „Radio der Zukunft“ ist ausgelaufen und am 15. Juli hat auch die KEF (Kommision zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten) festgestellt, dass die geplanten DAB-Projekte keine Sinn mehr machen und deshalb die Gelder gestoppt.

Quo vadis, Digitalfunk? Wer diese Frage aus dem Stand beantwortet, kann sicher reich werden. Bei DAB gab es immer ein Henne-Ei-Problem: Die Sender wollten kein DAB-Programm machen, ohne das die Hörer DAB-Empfänger haben und die Industrie wollte keine Empfänger bauen, ohne dass es Programm gibt.

Es gibt mehr als eine Alternative, Radio digital zu verbreiten: über die Standards für Digitalvideo z.B., die durchaus in der Lage wären, Audio mitzutransportieren, nahezu flächendeckend verfügbar sind und zudem über Endgeräte verfügen. Analoges Fernsehen wurde zugunsten der DVB-Standards inzwischen abgeschafft, die freiwerdenen Frequenzen sind als „digitale Dividene“ ein heiß umkämpftes Gut für neue Anwendungen.

Auch über dem UKW-Frequenzband, dass Radio z.Zt. nutzt, kreisen schon Interessenten wie Geier über Aas – doch sie werden wohl vorerst verhungern. 2015 dem analogen Radio den Saft abzudrehen scheint aus heutiger Sicht eine absolute Utopie.

Einen Vorteil hat die aktuelle Situation aber: in einem Jahr wird noch keine Entscheidung gefallen sein. Wenn ich also am 01.09.2010 mit meiner Bachelor-Thesis beginne, wird Digitalradio noch ein heißes Thema sein, dem ich mich dann vielleicht widmen kann 😉

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