Was ist eigentlich Privatsphäre?

Für SWR1 Der Abend habe ich im letzten Jahr einen kleinen Aufsager produziert, um die subjektive Innensicht eines (damals noch) 24-jährigen zum Thema Privatsphäre darzustellen. Irgendwie habe ich damals total vergessen, das zu verbloggen. Mich würde interessieren, ob ich mit meiner Meinung alleine bin, darum gibt es hier den Text:

Ich bin gerade auf Wohnungssuche – und ganz ehrlich: Wenn ich auch nur eine sogenannte Mieterselbstauskunft ausfülle, entblöße ich mehr über mich selbst als mir lieb ist. Wo arbeite ich? Festangstellt oder freiberuflich? Jahresnettogehalt? Meine letzten drei Wohnorte bitte auch noch, außerdem Informationen über Haustiere, Studienschulden, Beziehungsstaus.

Ich bin 24 Jahre alt und für mich hat der Begriff Privatsphäre eine ganz andere Bedeutung als für meinen Vater oder meine Oma. Aber das ist auch gut so. Ich habe kein Problem damit, über mein Jahresgehalt zu sprechen. Wie sonst soll ich einschätzen, was angemessen ist? Und, ja, man kann online nachlesen, was ich beruflich tue oder was ich studiert habe.

Dazu muss man übrigens nicht mal zu Facebook gehen, das steht auch alles auf meiner privaten Website.

Ich bin Onlineredakteur, mein Arbeitgeber erwartet zu Recht von mir, dass ich eine private Website betreibe. Und da ich Freiberufler bin, ist diese Website auch ein Stück weit eine Plattform, um mich selbst zu präsentieren. Und das bedeutet, meinen Lebenslauf online zu stellen, mit all seinen Unzulänglichkeiten, meine Adresse, meine Telefonnummer.

Das macht mich noch lange nicht zum gläsernen Menschen. Auch für mich gibt es Dinge, die privat sind. Man kann meinen Beziehungsstatus sehen, weiß aber deshalb nicht, wie mein Beziehungsleben aussieht. Wer meine Adresse kennt, weiß nicht, wie mein Wohnzimmer eingerichtet ist – und wer meinen Arbeitgeber kennt, weiß nicht, wie viele Tage pro Jahr ich krank bin.

Dinge, die ich nicht publik machen möchte, werden auch nicht publik. Aber viele Dinge, die manch einer als sehr privat versteht finde ich einfach nur trivial. Dazu gehören zum Beispiel Freizeitaktivitäten, vom Stadionbesuch über den Nachmittag im Freibad bis hin zum Feierabendbier mit den Kollegen. Wenn meine Oma im Krankenhaus liegt oder mein Bruder arbeitslos wird, sind das aber Informationen, die nur mich was angehen.

Wenn ich meinen Namen google, finde  ich viele Dinge, die ich nicht mal selber beeinflussen kann. Aktiver Umgang mit meiner Privatsphäre heißt deshalb für mich, jene Dinge in den Vordergrund zu rücken, die ich steuere.

Und? Völliger Humbug oder seht ihr es vielleicht auch so?

Marc Zuckerberg, der alte Chronist!

Mit der neuen Timeline hat es Facebook aus meiner Sicht geschafft, ein Killerfeature zu implementieren! Ich habe die neue Funktion gleich freigeschaltet (ist übrigens nicht schwer, Philipp erklärt, wie es geht) und muss sagen: Es macht wirklich Spaß, die eigene Chronik durchzusehen – und fast schon automatisch auch zu befüllen. 2006: Abitur – klar habe ich da ein Foto von und ab dafür… Der Umzug nach Fuwa, Schneefoto dazu usw. Auch optisch finde ich die neue Timeline klasse, man hat mehr das Gefühl sich mit dem Leben des Profilbesitzers (und somit auch mit dem Profilbesitzer!) auseinander zu setzen.

Aber: Durch die Integration von neuen Ereignissen und der engeren Verzahnung mit Apps ist die Hemmschwelle, Facebook mal eben Stammbuch, Krankenakte und Führungszeugnis zu faxen noch weiter gesunken.

Man kann sein neues Profil zwar jetzt schon pflegen, sichtbar wird es jedoch erst am 30.09. – ich bin sehr gespannt, ob es anderen Nutzer wie mir geht und sie spontan eine ganze Reihe persönlicher Daten nachtragen. Durch die neuen Smart Lists liest man ja zur Zeit fast minütlich von Leuten, die ihre Arbeitsstelle und ihre Ausbildung aktualisiert haben – weil diese Angaben zur korrekten Funktion notwendig sind.

Auch wenn es viel Spaß macht, das neuen Profil zu pflegen und zu bewundern – Knochenbrüche und Operationen bleiben vorerst meine Sache, Herr Zuckerknopp!

Habe ich was verpasst?

Am Ende des letztes Semester ist etwas passiert, was ich schon vom Abi kannte: Die Leute, die man im Laufe der letzten Monate und Jahre ins Herz geschlossen hatte, haben sich in alle Winde verstreut. Die einen sind im Ausland, die anderen schreiben in Fuwa Thesis, wieder andere schreiben ihre Abschlussarbeit woanders. Kurzum: von einem auf dem anderen Tag war das Studium, wie ich es bisher kannte, zu Ende.

Für mich begann am 1.9. – wie für einige andere – die Bachelor-Thesis. Ich schreibe sie in Baden-Baden über multimediale Workflows beim SWR. Und ich werde nicht täglich, aber doch regelmäßig, etwas wehmütig beim Blick auf Facebook und in die Blogs meiner Kommilitonen und Freunde. Und zwar auf fast alle. Es ist nicht schwer, auf Judith und Co. neidisch zu sein, die ihr Auslandssemester im allem Anschein nach großartigen Schottland verbringen. Oder auf Steffi, die für ein halbes Jahr in jener Stadt studiert, die mein Herz im Flug erobert hat: In Wien.

Aber selbst auf Laudi und Thomas bin ich ein bisschen neidisch: Weil sie ihre Thesis in Furtwangen schreiben und somit das Studentenleben abschließend nochmal so richtig genießen können. Indem sie mal spontan zu Steffi nach Wien jetten oder eben Mittwochs Party machen oder mal boarden gehen. Weil sie nachts arbeiten, wenn ihnen danach ist und gar nicht schaffen, wenn ihnen danach ist.

Klar, die beiden schütteln jetzt mit dem Kopf und sagen: ja, Schiri, aber du kriegst auch gut Kohle. Stimmt irgendwie, aber wenn ich ganz ehrlich bin: Dafür habe ich ein halbes Jahr früher den Schritt ins echte Leben gewagt, mit festen Arbeitszeiten und dem ganzen anderen Mist.

Als ich mich 2007 für ein Studium entschieden habe, war die Prämisse: Möglichst schnell mit möglichst geringen Kosten studieren, fertig werden und Geld verdienen. Das habe ich geschafft, unter anderem auch weil ich unter dem Kopfschütteln der ganzen Familie in ein Schwarzwaldnest gezogen bin und meine Freizeitbeschäftigungen sich meist auf Film schauen in der coolsten WG ever beschränkt haben.Hätte ich nicht gemusst? Stimmt irgendwie, aber: Mein Studium war leider nicht sponsered bei Daddy und die kfw freut sich auch so schon über viele Jahre, die ich ihr nun als „Kunde“ zur Verfügung stehe.

Darum kam auch ein Auslandsemester nie für mich in Frage, nicht eine Sekunde. Aber wenn ich jetzt die Berichte lese und die Fotos sehe, dann frage ich mich: Habe ich was verpasst?