Fußball-WM: Die Alternative zu den TV-Kommentatoren

So schön das mit der WM alles ist, so schlimm sind manche Kommentatoren. An Bela Rethy zum Beispiel scheiden sich die Geister, ich persönlich brauche den nicht.

Ich bin und bleibe ein Kind des Radios und auch deshalb müssen sich Fußballkommentatoren bei mir mit Sabine Töpperwien, Manni Breuckmann und Günther Koch messen. Ein bisschen unfair, zugegeben, weil eine Radioreportage ja schon komplett anders funktioniert – schließlich muss das visuelle substituiert werden. Aber mal vom rein formalen und fachlichen ab – im Radio wird weniger Dünnschiss erzählt und die Floskelquote ist auch deutlich akzeptabler.

Gestern Abend beim Eröffnungsspiel der WM war dann zu allem Überfluss nicht nur die fachliche Qualität Grütze, sondern auch noch die technische. Rethys Mikrofon war total übersteuert, selbst nach einem Tausch wurde es nicht gut, sondern maximal besser. Die Erlösung begegnete mir auf Twitter, wo Ex-SWR-Kollege Björn einen sensationellen Hinweis retweetete, den ich euch nicht vorenthalten will:

Leider steht dieses Feature nicht bei allen Spielen zur Verfügung, sondern neben dem gestrigen Spiel nur noch bei allen deutschen Paarungen und ab dem Viertelfinale. Aber besser als nichts. Bei mir (Fernseher von Philips) findet sich die Option zum Umschalten der Tonspur übrigens in den generellen Optionen, nicht bei den Tonoptionen, das nur als Hinweis.

Gestern Abend jedenfalls habe ich das Spiel dann des ARD Radiotons sehr genossen, auch wenn es natürlich ein bisschen komisch ist, eine deskriptive Reportage zusätzlich zum Bild zu haben. Aber mein Radioherz schlägt da höher. Und mein Fußballerherz eh.

Was ist eigentlich Privatsphäre?

Für SWR1 Der Abend habe ich im letzten Jahr einen kleinen Aufsager produziert, um die subjektive Innensicht eines (damals noch) 24-jährigen zum Thema Privatsphäre darzustellen. Irgendwie habe ich damals total vergessen, das zu verbloggen. Mich würde interessieren, ob ich mit meiner Meinung alleine bin, darum gibt es hier den Text:

Ich bin gerade auf Wohnungssuche – und ganz ehrlich: Wenn ich auch nur eine sogenannte Mieterselbstauskunft ausfülle, entblöße ich mehr über mich selbst als mir lieb ist. Wo arbeite ich? Festangstellt oder freiberuflich? Jahresnettogehalt? Meine letzten drei Wohnorte bitte auch noch, außerdem Informationen über Haustiere, Studienschulden, Beziehungsstaus.

Ich bin 24 Jahre alt und für mich hat der Begriff Privatsphäre eine ganz andere Bedeutung als für meinen Vater oder meine Oma. Aber das ist auch gut so. Ich habe kein Problem damit, über mein Jahresgehalt zu sprechen. Wie sonst soll ich einschätzen, was angemessen ist? Und, ja, man kann online nachlesen, was ich beruflich tue oder was ich studiert habe.

Dazu muss man übrigens nicht mal zu Facebook gehen, das steht auch alles auf meiner privaten Website.

Ich bin Onlineredakteur, mein Arbeitgeber erwartet zu Recht von mir, dass ich eine private Website betreibe. Und da ich Freiberufler bin, ist diese Website auch ein Stück weit eine Plattform, um mich selbst zu präsentieren. Und das bedeutet, meinen Lebenslauf online zu stellen, mit all seinen Unzulänglichkeiten, meine Adresse, meine Telefonnummer.

Das macht mich noch lange nicht zum gläsernen Menschen. Auch für mich gibt es Dinge, die privat sind. Man kann meinen Beziehungsstatus sehen, weiß aber deshalb nicht, wie mein Beziehungsleben aussieht. Wer meine Adresse kennt, weiß nicht, wie mein Wohnzimmer eingerichtet ist – und wer meinen Arbeitgeber kennt, weiß nicht, wie viele Tage pro Jahr ich krank bin.

Dinge, die ich nicht publik machen möchte, werden auch nicht publik. Aber viele Dinge, die manch einer als sehr privat versteht finde ich einfach nur trivial. Dazu gehören zum Beispiel Freizeitaktivitäten, vom Stadionbesuch über den Nachmittag im Freibad bis hin zum Feierabendbier mit den Kollegen. Wenn meine Oma im Krankenhaus liegt oder mein Bruder arbeitslos wird, sind das aber Informationen, die nur mich was angehen.

Wenn ich meinen Namen google, finde  ich viele Dinge, die ich nicht mal selber beeinflussen kann. Aktiver Umgang mit meiner Privatsphäre heißt deshalb für mich, jene Dinge in den Vordergrund zu rücken, die ich steuere.

Und? Völliger Humbug oder seht ihr es vielleicht auch so?