Auf der Suche nach einem Feedreader mit semantischer Intelligenz

Diese Woche war es mal wieder deutlich zu spüren. Facebook kauft Whatsapp für 19 Milliarden Dollar und alle reden drüber. Und da außer dem Fakt nicht so arg viel bekannt ist, verbreiten alle den Fakt.

In meinem Feedreader, der in unterschiedlichen Kategorien sortiert ist, nervt mich das gehörig. Denn spätestens nach der must-read Kategorie weiß ich alles und bekomme im Bereich Social, Android, Wirtschaft, News den selben Klimbatsch aus unterschiedlichen Quellen nochmal.

Google Reader: Die Petition fordert das Falsche!

Gestern habe ich mein vorläufiges Fazit zum Ende des Google Readers hier verkündet. Dabei habe ich auch die Petition auf Change.org verlinkt, die das Abschalten des Dienstes verhindern will. Durch ein längeres Chatgespräch mit Laudi ist mir klar geworden, dass die Petition das Falsche fordert.

Der beste Weg, das beste aus dem Ende von Google Reader zu machen und ihn gleichzeitig weiterzunutzen, wäre: ein Open-Source-Google-Reader! Ganz im Stile von Android müsste Google den Reader gar nicht selber weiterführen, sondern den Code einfach auf Github (oder wenn es sein muss auch Google Code) stellen. Ich bin sicher, dass sich ruck zuck Entwickler finden würden, die die Software weiterentwickeln würden – wahrscheinlich schneller und besser als Google es zuletzt getan hat.

Dann könnte sich jeder – so ein bisschen owncloud-mäßig – seinen eigenen Reader-Webservice betreiben. Die Mobilapps müssten in den Einstellungen einfach eine URL übergeben bekommen, um statt mit Google mit dem eigenen Server zu sprechen.

Das wäre sozusagen best of both worlds. Oder?

Bye, bye, Google Reader! Ich werde dich vermissen, aber…

Wie für gefühlt meine gesamte Digitalsphäre begann auch für mich der heutige Tag mit einem kleinen Schock: Google stellt den Google Reader ein! Als ich das heute morgen beim Frühstück gelesen und dann die ersten Reaktionen auf Twitter verfolgt habe, war mein erster Gedanke jener, den Christine in ihrem Blog zu Ausdruck bringt: Eine Alternative zu finden wird nicht so leicht. Denn wenn ich in der Vergangenheit eins gelernt habe, dann ist es, dass Googles Frühjahrputz meist unerbittlich ist. Die Abschaltung zu verhindern wird auch dieser Petition nicht gelingen.

Zwischenzeitlich hat gefühlt jeder, der irgendwas über Internet und Technik ins Internet schreibt, auch einen Post über die Alternativen geschrieben – es gibt genug, ja. Und bestimmt werde ich auch einen finden, der genau meine Ansprüche erfüllt. Das sind insbesondere:

  • gute Android-App
  • Integration von Evernote und vor allem Pocket
  • gute Suchfunktion (ein unterschätztes, aber sensationelles Feature beim Google Reader!)
  • kostenlos

Am ehesten wäre ich beim letzten Punkt kompromissbereit, denn ich zahle generell gern für digitale Güter und Software, die mich überzeugt.

Heute morgen dachte ich mir: jetzt schreibst du einen Blogpost und jammerst ein bisschen. Im Laufe des Tages ist aber die Erkenntnis in mir gereift, dass Marcel Weiss von Neunetz vielleicht gar nicht so falsch liegt, wenn er sagt, dass diese Entscheidung von Google für den Nutzer nur vordergründig schlecht ist. Und auch Stefan meint, dass man sich die Sache lieber zum Anlass nehmen sollte, über den Quasi-Monopolisten nachzudenken, als rumzujammern.

Ich halte es mit Hesse: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ In diesem Sinne werde ich mir einen neuen Informationshub suchen, einrichten und nutzen. Bis es auch ihn vll. nicht mehr gibt – aber so ist das nunmal, das kommen und gehen von Ideen und Diensten gehört zweifelsohne dazu.

Noch eine positive Sache fällt mir aber auf: Dass so viele wehklagen über den Wegfall des Readers, zeigt mir (aber achtung – filter bubble!), dass RSS an sich nicht tot ist, sondern für viele noch immer die beste und effizienteste Weise des Nachrichtenkonsums. Ich bin nicht alleine da draußen! Diese Erkenntnis ist irgendwie tröstlich. Danke dafür, Google.

UPDATE: Schöne wäre eine Open-Source-Variante.