Macht, Ohnmacht und Unsinn von Shitstorms

Am letzten Mittwoch durfte ich auf Einladung des Bundes der Pressesprecher an einer Podiumsdiskussion zum Thema „Macht der Shitstorms – Ohnmacht der Unternehmen?“ teilnehmen.

Nach zwei interessanten Impulsvorträgen von Johannes Kaufmann von SWR.Online über den Begriff und die Implikation des Shitstorms an sich und von Markus Herrmann, Pressesprecher der Stadt Schwäbisch Hall, über Bürgerbeteiligung im Web und den „Bud-Spencer-Tunnel“ wurde angeregt diskutiert. Martin Reti hat auf seinem Blog (dort kann man auch das Fazit aus Sicht eines Teilnehmers bekommen) meine Rolle treffend beschrieben: Ich war der „Antagonist in seinem Web 2.0-Element“.

Das sorgte zumindest dafür, dass auf dem Podium kontrovers diskutiert wurde. Mein Gefühl ist, dass bei viel wichtiges gesagt und geklärt wurde. Zum Beispiel, dass sowohl der Begriff, als auch die Implikation für den oder die Betroffenen sehr unterschiedlich interpretiert werden. Aus meiner Sicht hat sich der Hype um das ganze Shitstorm-Thema deutlich abgekühlt. Sascha Lobo hat sich vor kurzem entschuldigt, dass Wort in den Sprachgebrauch des Onlinemarketings überführt zu haben. Und Kundenservice im Social Web wird von vielen Unternehmen inzwischen proaktiv betrieben und nicht erst als letzter Strohhalm, wie damals im berühmten Fall Dell.

Letztlich geht es für Unternehmen oder Personen von öffentlichem Interesse nicht darum, einen Shitstorm zu vermeiden, das ist ohnehin nicht möglich. Es geht darum, eine gute und umfassende Kommunikationsstrategie zu haben und auch für Krisen gewappnet zu sein. Und zwar so, wie es der jeweilige Kanal erfordert. Dazu gehört der richtige Content, das richtige Personal, Empathie, Ehrlichkeit – und Timing. Das kann man nicht unbedingt planen, aber lernen und mit diesem Lernprozess auch offen umgehen. Das war letztlich auch der Rat, der in meinen Aussagen mitschwang.

Für mich war es die erste Podiumsdiskussion, bei der ich nicht im Publikum, sondern auf der Bühne saß. Und ich hatte richtig Spaß. Der „Schlagabtausch“ auf Augenhöhe, vor allem mit der politischen Journalistin Gabi Renz, hat nicht nur dem Publikum, sondern auch mir was gebracht.

Am Rande des Podiums war noch genug Zeit für spannende Gespräche, was den Abend abgerundet hat. Denn mit Jürgen Ebenau saß mein Chef aus SWR-Zeiten mit auf dem Podium und auch im Publikum habe ich das ein oder andere bekannte Gesicht entdeckt. Möglichkeiten zum Netzwerken und Bier Trinken gab es also genug – und das darf aus meiner Sicht nicht fehlen.

Mein Dank für die Einladung geht an Anja Görzel, die die Veranstaltung für den Bund der Pressesprecher mitorganisiert hat. Gerne wieder 🙂

Dank auch für die Bereitstellung der Fotos, die ich hier verwenden darf, an @a_linsenmeier und @MartinReti.

Social Media Night Stuttgart: Lohnt sich!

Mercedes Museum

Durch meinen Umzug nach Stuttgart habe ich endlich die Möglichkeit, an vielen interessanten Runden teilzunehmen, um zu netzwerken und mein Wissen zu vertiefen. Mit Webmontag, Social Media Night und Pro Circle, plogbar und anderen Angeboten gibt es in Stuttgart mehr als genug. Eine willkommene Möglichkeit, privates und berufliches zu verbinden und dabei noch sehr interessante Menschen kennenzulernen.

In der letzten Woche waren gleich drei der genannten Termine, zum Webmontag hat es leider nicht gereicht, aber ich war sowohl bei der Social Media Night im Mercedes-Benz-Museum wie auch beim Social Media Pro Circle, der in Ehningen auf dem IBM Campus stattfindet.

Sowohl die Social Media Night wie auch der Pro Circle werden vom Social Media Club Stuttgart veranstaltet, einer regionalen Gruppe des weltweit agierenden Social Media Club. In Stuttgart organisiert Markus Besch die Aktivitäten.

Die Night ist eine monatliche Vortragsveranstaltung mit wechselnden Themen und dazu passenden Rednern aus der Branche. Bei meinem ersten Besuch hat Boris Turalija, Social Media Officer bei der Walter AG, über Social Media im B2B-Geschäft gesprochen, der zweite Vortrag des Abends kam von Bernhard Jodeleit von den Kommunikationsagentur Lots of Ways, der über den Umgang mit Shitstorms sprach.

Beide Vorträge waren hochinteressant, wobei ich von den guten Ideen, die Boris hatte (und hat), um ein eher nicht so mediales Produkt wie Zerspanungstechnik nach vorn zu bringen, wirklich beeindruckt war. Im Vordergrund steht bei den Bemühungen der Walter AG das positive Unternehmensimage, was durch authentische Beiträge aus den Reihen der Mitarbeiter erreicht wird.

Auch bei Bernhard habe ich natürlich das ein oder andere mitgenommen, vorallem den Ansatz, fertige Szenarien für möglichst viele denkbare Negativszenarien in der Tasche zu haben, gefällt mir gut.

Abgerundet wird die Social Media Night durch eine Hammerlocation! Das Mercedes-Benz-Museum steht ohnehin recht weit oben auf der Liste der Dinge, die ich mir in Stuttgart schnellstmöglich anschauen möchte.

Der Besuch der Veranstaltung steht jedem offen, für fünf Euro Eintritt ist man dabei, Tickets gibt es im Vorverkauf. Das Geld ist gut angelegt – neben vielen interessanten Kontakten, Ideen und mehr sind ein Getränk und ein Snack inklusive 😉

In einem zweiten Post werde ich euch in Kürze meine Eindrücke vom Social Media Pro Circle schildern. Cliffhanger: Ganz anders als die Night, aber auch hochinteressant!

Bildquelle: Foto von Flickr-User TeryKats unter CC BY 2.0

Aufmerksamkeit um jeden Preis?

Gestern nachmittag hat sich der FC Bayern auf Facebook etwas unbeliebt gemacht (ich berichtete für Allfacebook.de). Trotz des negativen Feedbacks Wegen des negativen Feedbacks auf der Facebook-Seite stürzten sich direkt im Anschluss an die individualisierte Pressekonferenz auf Facebook nicht nur einschlägige Marketing- und Social-Media-Medien auf die Story, sondern auch alle Nachrichtenseiten und Sportseiten.

Das wiederrum führte wohl dazu, dass sich auch die Massenmedien mit der Thematik befassten. Somit kann festgehalten werden: Durch eine klar begrenzte Online-Marketing-Aktion hat der FC Bayern München gestern Blogs, das Fernsehen und heute auch noch allerlei Printangebote auf sich und die Aktion aufmerksam gemacht. Der Tenor der Berichterstattung war – wie immer, wenn man wieder jemand im Social Web „failed“ – alles andere als positiv. Der Gesprächswert der Facebook-Seite ist allerdings enorm gestiegen.

Wiedermal zeigt sich hierbei allerdings, dass die nackten Zahlen auf Facebook erstmal nicht sonderlich viel aussagen, da bspw. „Sprechen darüber“ keine Bewertung über den inhaltlichen Tenor zulässt. Heute jedoch ist die negative Stimmung schon wieder einer eher neutralen Betrachtung der Aktion gewichen, auch die üblichen Fanbekundungen finden sich wieder auf Pinnwand.

Bildquelle: facebook.com/fcbayern

Und Fakt ist auch: Die Fanpage des FCB legte gestern knapp 18.000 Fans zu und profitiert dabei sicherlich auch von der breiten Berichterstattung (sowie natürlich vom Aufhänger der Aktion – einem neuen Transfer!).

Bildquelle: http://allfacebook.de/tracking/FCBayern

Ein kleiner Teil der neuen „Liker“ hat dem FCB auch wieder den Rücken gekehrt, einen großen Teil jedoch wird der FCB auch dann noch erreichen, wenn sich die Wogen geglättet haben. Der Umgang mit dem Shitstorm war jedenfalls souverän.

Trotzdem ist eine solche Aktion sicherlich nicht das, was sich die Marketing-Entscheider gewünscht haben. Auch wenn sie den Gesprächswert der Marke steigern konnten.