Habe ich was verpasst?

Am Ende des letztes Semester ist etwas passiert, was ich schon vom Abi kannte: Die Leute, die man im Laufe der letzten Monate und Jahre ins Herz geschlossen hatte, haben sich in alle Winde verstreut. Die einen sind im Ausland, die anderen schreiben in Fuwa Thesis, wieder andere schreiben ihre Abschlussarbeit woanders. Kurzum: von einem auf dem anderen Tag war das Studium, wie ich es bisher kannte, zu Ende.

Für mich begann am 1.9. – wie für einige andere – die Bachelor-Thesis. Ich schreibe sie in Baden-Baden über multimediale Workflows beim SWR. Und ich werde nicht täglich, aber doch regelmäßig, etwas wehmütig beim Blick auf Facebook und in die Blogs meiner Kommilitonen und Freunde. Und zwar auf fast alle. Es ist nicht schwer, auf Judith und Co. neidisch zu sein, die ihr Auslandssemester im allem Anschein nach großartigen Schottland verbringen. Oder auf Steffi, die für ein halbes Jahr in jener Stadt studiert, die mein Herz im Flug erobert hat: In Wien.

Aber selbst auf Laudi und Thomas bin ich ein bisschen neidisch: Weil sie ihre Thesis in Furtwangen schreiben und somit das Studentenleben abschließend nochmal so richtig genießen können. Indem sie mal spontan zu Steffi nach Wien jetten oder eben Mittwochs Party machen oder mal boarden gehen. Weil sie nachts arbeiten, wenn ihnen danach ist und gar nicht schaffen, wenn ihnen danach ist.

Klar, die beiden schütteln jetzt mit dem Kopf und sagen: ja, Schiri, aber du kriegst auch gut Kohle. Stimmt irgendwie, aber wenn ich ganz ehrlich bin: Dafür habe ich ein halbes Jahr früher den Schritt ins echte Leben gewagt, mit festen Arbeitszeiten und dem ganzen anderen Mist.

Als ich mich 2007 für ein Studium entschieden habe, war die Prämisse: Möglichst schnell mit möglichst geringen Kosten studieren, fertig werden und Geld verdienen. Das habe ich geschafft, unter anderem auch weil ich unter dem Kopfschütteln der ganzen Familie in ein Schwarzwaldnest gezogen bin und meine Freizeitbeschäftigungen sich meist auf Film schauen in der coolsten WG ever beschränkt haben.Hätte ich nicht gemusst? Stimmt irgendwie, aber: Mein Studium war leider nicht sponsered bei Daddy und die kfw freut sich auch so schon über viele Jahre, die ich ihr nun als „Kunde“ zur Verfügung stehe.

Darum kam auch ein Auslandsemester nie für mich in Frage, nicht eine Sekunde. Aber wenn ich jetzt die Berichte lese und die Fotos sehe, dann frage ich mich: Habe ich was verpasst?

Wovon der Schiri schreibt

Die meisten wissen es, auch hier im Blog habe ich es bereits mehrfach erwähnt: Mein Studium neigt sich dem Ende entgegen, seit 1. September schreibe ich meine Abschlussarbeit, die Bachelor-Thesis.

Bei all dem Technik-Generde, dass ich hier und auch überall sonst in meinem Leben verbreite, ist es wenig verwunderlich, dass es auch in meiner Thesis um technische Aspekte geht. Ganz so wie mein Studium ist auch meine Thesis interdisziplinär, es geht um die Verknüpfung von Medientechnik, Informatik und journalistischem Inhalt. Der Arbeitstitel lautet:

Verzahnung von technischen und inhaltlichen Multimedia-Workflows im Hinblick auf eine Radiowebsite der Zukunft beim SWR-Programm DASDING

Im Verlaufe der ersten drei Monate habe ich aber bereits gemerkt, dass sich dieser Titel nochmal ändern wird, denn der Fokus hat sich etwas geändert.

Konkret habe ich im ersten Teil der Thesis den aktuellen Zustand der Arbeitsabläufe bei DASDING.de dokumentiert, im zweiten Teil arbeite ich zur Zeit an Optimierungen, vorallem technischer Natur. Dabei geht es zum Beispiel um Audio- und Videokonvertierungen.

Abgabe ist (inklusive obligatorischer Verlängerung) am 28.02.2011 – und dann ist mein Studium schon zu Ende. Ging irgendwie verdammt schnell.

And again: Baden-Baden

Die Yburg sehe ich beim Blick vom Balkon. // Foto: Com1 manu at de.wikipedia/cc-by-sa

Geschichte wiederholt sich ein bisschen: wie schon 2008 verlasse ich Furtwangen für ein „spezielles“ Semester, um nach Baden-Baden zu ziehen. 2008 habe ich ein halbes Jahr dort vebracht, mein Praxissemester bei DASDING, dem jungen Programm des SWR, dem ich im Anschluss als freier Mitarbeiter treu geblieben bin.

Seit gut zwei Wochen bin ich nun wieder in Baden-Baden, wieder mit speziellem Auftrag der HFU: meiner Abschlussarbeit, bekannt auch unter dem klingenden Namen „Bachelor-Thesis“.

Nochmal zur Erinnerung:

Baden-Baden ist eine Stadt im Westen Baden-Württembergs. Die Stadt ist ein weltbekannter Kurort und heute vor allem als Bäderstadt, Mineralheilbad, Urlaubsort, Medien- und Kunststadt sowie internationale Festspielstadt bekannt.
Quelle: Wikipedia

Klingt genauso spannend, wie es wirklich ist. Aber es hat auch durchaus Vorzüge – ich wohne nämlich nicht direkt in Baden-Baden, sondern im sog. Rebland, einem Zusammenschluss mehrerer kleiner Weinorte, allesamt Stadtteile von Baden-Baden. Gleich an meinem ersten Wochenende war da ein feines Weinfest, dass mir beim Einleben sehr geholfen hat. Die Weine der örtlichen Winzergenossenschaft sind übrigens durchaus zu empfehlen, vorallem der Weißherbst. Aber das nur am Rande.

Jetzt sagt ihr: Für die Thesis muss man doch nicht umziehen. Stimmt, ich hätte das bestimmt auch von Fuwa aus machen können. Aber mehrere Gründe sprachen für einen Umzug: Zunächst mal sitze ich direkt an der Quelle meiner Infos und kann auf kurzem Dienstweg recherchieren und schreiben. Außerdem habe ich in den letzten paar Tagen schon gemerkt, dass ich mehr tue, wenn ich jeden Morgen in den SWR fahre. Gut, ich schreibe keine acht Stunden am Tag – aber ich tue deutlich mehr, als ich zuhause tun würde 🙂

Und schließlich: Baden-Baden wird auch die erste Station nach Abschluss meines Studiums im Frühjahr 2011 sein. Denn ich bin nun erstmal bis mindestens 31.08.2011 hier.